Eine dünne Rauchsäule über bewaldeten Hügeln, vom Cockpit aus kaum mehr als ein grauer Schleier: Am 1. Mai entdeckte Klemens Fuhge von der LSG Siebengebirge auf dem Weg nach Brilon einen Waldbrand direkt an der NRW-Landesgrenze und meldete die Koordinaten per Funk an den Fluginformationsdienst. In einem Jahr, in dem die Waldbrandgefahr auch in Nordrhein-Westfalen deutlich gestiegen ist, zeigt sein Handeln, wie Privatpiloten Kamerasysteme und Löschtechnik ergänzen – mit wachen Augen über dem Land.
Entdeckt auf dem Flug nach Brilon
Klemens Fuhge war mit dem Motorsegler in Richtung Sauerland unterwegs, als er die Rauchfahne bemerkte. Statt weiterzufliegen, drehte er ab und prüfte die Lage aus sicherer Entfernung: ein Waldbrand in steilem, unwegsamem Gelände bei Friesenhagen im Wildenburger Land, unmittelbar an der Grenze zwischen Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Über den Fluginformationsdienst (FIS) der Deutschen Flugsicherung – im Westen „Langen Information“ – gab er die genauen Koordinaten für die Feuerwehr durch.
Am Boden entwickelte sich ein Großeinsatz, an dem auch Kräfte aus NRW beteiligt waren: Rund vier Hektar Wald standen in Flammen. Insgesamt über 450 Einsatzkräfte von Feuerwehr, THW, Polizei und weiteren Organisationen aus beiden Bundesländern – zeitweise rund 350 gleichzeitig – kämpften gegen das Feuer, ein Polizeihubschrauber warf gezielt Löschwasser ab. Die präzisen Koordinaten aus der Luft erleichterten es den Einsatzkräften, die Brandstelle im unwegsamen Gelände zu finden.
So wird aus der Beobachtung eine Meldung
Wer aus dem Cockpit Rauch entdeckt, kann mit wenigen Schritten viel bewirken – die Sicherheit hat dabei immer Vorrang:
- Zuerst fliegen: Das Flugzeug fliegen, den Luftraum beobachten – die Meldung kommt an zweiter Stelle.
- Position bestimmen: Koordinaten aus GPS oder Navigations-App ablesen, markante Geländepunkte merken. Je genauer die Ortsangabe, desto schneller finden Bodenkräfte die Einsatzstelle.
- Aus sicherer Entfernung beobachten: Mindestflughöhen einhalten (nach SERA 500 Fuß über Grund, 1.000 Fuß über Ortschaften), die Rauchfahne meiden – sie bedeutet Sichtverlust und Turbulenz – und in Luv bleiben.
- Über FIS melden: Der Fluginformationsdienst nimmt die Meldung auf und leitet sie an die zuständige Leitstelle weiter; die passende Frequenz steht auf der ICAO-Karte. Alternativ nach der Landung sofort die 112 anrufen.
- Einsatzraum verlassen: Sobald die Meldung abgesetzt ist oder Löschluftfahrzeuge anfliegen, weiträumig ausweichen. Einsatzluftfahrzeuge haben Vorrang, über Brandstellen können kurzfristig Flugbeschränkungsgebiete (ED-R per NOTAM) eingerichtet werden.
Der Zeitgewinn ist messbar: Nach Angaben des Deutschen Aero Clubs (DAeC) verschaffen Meldungen aus der Luft den Feuerwehren bis zu 15 Minuten Vorsprung. Während etwa Bayern dafür eine eigene Luftrettungsstaffel mit über 300 Piloten unterhält, sind es in NRW vor allem aufmerksame Privatpiloten, die diesen Blick von oben leisten – auf jedem ganz normalen Überlandflug zwischen Rhein, Ruhr und Weserbergland.
Die Wälder in NRW stehen unter Stress
Wie nötig diese Aufmerksamkeit ist, zeigt der Blick auf das Land: Ende Juli meldeten die NRW-Ministerien landesweit Waldbrandgefahrenstufe 3, regional höher. Vielerorts färben sich Birken, Buchen und Ahorne schon im Hochsommer herbstlich, Waldböden und Bäche sind ausgetrocknet. Das Land rüstet auf: FireWatch-Kameras überwachen rund 62.000 Hektar Wald am Niederrhein, ein zweiter Löschhubschrauber wurde in der Eifel stationiert.
Auch die Statistik unterstreicht den Trend: 2025 zählte Nordrhein-Westfalen 135 Waldbrände – bundesweit Platz drei hinter Brandenburg und vor Niedersachsen. Die Zahl der Tage mit hoher Waldbrandgefahr hat in NRW seit 1961 im Mittel um 22 Tage zugenommen. Und Entspannung ist nicht in Sicht: Der Deutsche Wetterdienst meldete Anfang August, der Zeitraum von November bis Juli sei seit Beginn der Aufzeichnungen 1882 nur zweimal trockener gewesen. Wer vom Boden aus Rauch bemerkt: sofort die 112 anrufen.
Zwischen den Kamerastandorten und abseits der Ballungsräume bleibt der Blick aus dem Cockpit oft die schnellste Entdeckungschance. Jeder Überlandflug – im Segelflugzeug, Motorflugzeug oder Ultraleichtflugzeug – ist damit auch ein Beitrag zum Schutz der Wälder in Nordrhein-Westfalen. Der AEROCLUB | NRW dankt Klemens Fuhge für sein umsichtiges Handeln. Wer fliegt, sieht mehr – und kann mit einer kurzen Meldung viel bewirken.
Links
- NRW-Ministerien warnen vor erhöhter Waldbrandgefahr (29.07.2026) → https://www.mlv.nrw.de/gemeinsamer-appell-zum-schutz-des-waldes-und-der-natur-ministerien-warnen-vor-erhoehter-waldbrandgefahr-und-zunehmenden-schaeden-im-wald/
- Wald & Holz NRW: aktuelle Waldbrandgefahren-Meldungen → https://www.wald-und-holz.nrw.de/aktuelle-meldungen/ministerien-warnen-vor-erhoehter-waldbrandgefahr
- LANUK-Klimaatlas NRW: Waldbrandgefahr und Waldbrände → https://www.klimaatlas.nrw.de/klima-nrw-monitoring/umwelt/wald-und-forstwirtschaft/waldbrandgefahr-und-waldbraende
- BLE: Waldbrandstatistik 2025 → https://www.ble.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2026/260630_Waldbrandstatistik.html
- DWD-Pressemitteilung zur Trockenheit im Sommer 2026 → https://www.dwd.de/DE/presse/pressemitteilungen/DE/2026/20260806_trockenheit-in-deutschland_news.html
- DAeC: „Frühwarnsystem aus der Luft – Wenn Sportflieger Leben retten“ → https://www.daec.de/news/news-detail/fruehwarnsystem-aus-der-luft-wenn-sportflieger-leben-retten/
- Vereinsseite der LSGS Siebengebirge → https://lsgs.de/
- Disziplin-Seite Motorflug → https://www.aeroclub-nrw.de/sportarten/
Vielen Dank an Klemens Fuhge und Rüdiger Drumm für die persönlichen Eindrücke und Fotos.



