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Sicher in die neue Flugsaison 2026

von | 13.04.26 | Motorflug, News, Ultraleichtflug

Der Saisonstart ist für viele Piloten der ersehnte Moment des Jahres: Endlich wieder fliegen, endlich wieder dieses Gefühl von Freiheit und Weite. Doch genau in dieser Phase häufen sich Unfälle. Der Bundesausschuss Flugsicherheit des Deutschen Aero Clubs macht deshalb jedes Jahr auf die besonderen Risiken zum Saisonbeginn aufmerksam – und gibt konkrete Empfehlungen, wie der erste Flug nach der Winterpause sicher gelingt.

Warum der Saisonstart besonders heikel ist

Wer monatelang nicht geflogen ist, hat Routine verloren – das ist keine Schwäche, sondern einfach menschliche Physiologie. Hinzu kommen technische Standzeiten des Flugzeugs, das dynamische Frühjahrswetter und nicht zuletzt die Euphorie, die uns dazu verleiten kann, Risiken zu unterschätzen. Diese vier Faktoren zusammen machen den Saisonstart zu einer statistisch kritischen Phase.

Die Zahlen der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) sprechen eine klare Sprache: Jährlich ereignen sich in Deutschland rund 120 bis 140 Unfälle in der Allgemeinen Luftfahrt und im Ultraleichtbereich, darunter 10 bis 15 mit tödlichem Ausgang. Die häufigste Ursache, mit Abstand, ist Kontrollverlust – gefolgt von Wettereinflüssen, Pilotfehlern, technischen Problemen und Kraftstoffmangel. Noch aufschlussreicher ist die Verteilung nach Flugphasen: Die Landung ist mit Abstand die gefährlichste Phase und macht rund 30 Prozent aller Unfälle aus.

Der Mensch als größter Sicherheitsfaktor

Etwa 70 bis 80 Prozent aller Flugunfälle haben menschliche Ursachen. Das bedeutet: Die wichtigste Checkliste vor dem ersten Flug des Jahres beginnt nicht im Cockpit, sondern im eigenen Kopf.
Ein bewährtes Werkzeug dafür ist der IMSAFE-Check: Bin ich krank (Illness)? Nehme ich Medikamente (Medication)? Stehe ich unter Stress (Stress)? Habe ich Alkohol getrunken (Alcohol)? Bin ich ausgeruht (Fatigue)? Habe ich ausreichend gegessen (Eating)? Erst wenn alle sechs Punkte ehrlich beantwortet werden können, ist der Pilot wirklich flugbereit.
Ebenso wichtig ist der Selbstcheck zur fliegerischen Währung: Wann war der letzte Flug? Wie viele Landungen habe ich in den vergangenen 90 Tagen gemacht? Bin ich mental fit für diesen Flug? Die 90-Tage-Regel für die Passagierberechtigung und die Nachtflug-Currency sind nicht nur bürokratische Pflichten – sie spiegeln den Zusammenhang zwischen Übung und Sicherheit wider.

Dokumente und Technik: Vor dem Start ist nach dem Winter

Bevor das Flugzeug das erste Mal in dieser Saison rollt, gilt es, alle Dokumente zu prüfen: Lizenz, Medical, ARC oder Permit to Fly, Versicherungsschutz und die Borddokumente. Vieles hat ein Ablaufdatum, das über den Winter unbemerkt verstreichen kann.

Die technische Seite verdient nach einer langen Standzeit besondere Aufmerksamkeit:

  • Batterie: Durch die Winterpause kann erheblicher Kapazitätsverlust eingetreten sein. Beim Motorstart möglichst wenige elektrische Verbraucher einschalten, um Spannungseinbrüche zu vermeiden.
  • Reifen: Standplatten sind nach langer Standzeit keine Seltenheit. Den Reifendruck gemäß Handbuch prüfen und anpassen.
  • Bremsen: Vor dem Rollen unbedingt einen Bremsentest durchführen und die Temperaturen im Auge behalten.
  • Kraftstoffsystem: Kondenswasser im Tank ist nach dem Winter ein reales Risiko. Tanks drainen und sorgfältig auf Undichtigkeiten prüfen.
  • Motor: Schonenden Warmlauf nicht überspringen. Alle Temperaturen sorgfältig beobachten, bevor Vollgas gegeben wird.
  • Avionik: Navigationsdatenbanken auf Aktualität prüfen und ausstehende Software-Updates einspielen.

Frühjahrswetter: Schöner Schein, tückische Dynamik

Frühjahrstage können trügerisch sein. Blauer Himmel und milde Temperaturen laden ein – aber Thermik, böiger Wind und schnelle Wetterwechsel machen das Fliegen im Frühjahr anspruchsvoller als in ruhigeren Jahreszeiten. Thermische Aufwinde erzeugen vertikale Luftbewegungen und Turbulenzen, die den mentalen Aufwand im Cockpit erheblich steigern.

Bei Seitenwind empfiehlt es sich, die Crosswind-Technik bewusst aufzufrischen, den Go-Around konsequent zu akzeptieren und sich eigene persönliche Limits zu setzen – und diese dann auch einzuhalten. Auch die Dichtehöhe, beeinflusst von Temperatur und Luftdruck, kann die verfügbare Startleistung spürbar reduzieren.

Den ersten Flug richtig planen

Die beste Strategie für den Saisoneinstieg: einfach beginnen – aber bewusst. Der erste Flug sollte kurz sein, in der vertrauten lokalen Umgebung stattfinden und unter günstigen Wetterbedingungen durchgeführt werden. Ziel ist es, die Routine schrittweise zurückzugewinnen und den mentalen Aufwand bewusst niedrig zu halten.

Das bedeutet konkret: komplexe Lufträume zunächst meiden, den Flugplan so einfach wie möglich gestalten und Checklisten konsequent nutzen. Beim Kraftstoffmanagement empfiehlt sich am Saisonstart eine erhöhte Reserve von mindestens 45 Minuten sowie feste Ausweichflugplätze als Teil der Routenplanung. Ein Kraftstoff-Check alle 30 Minuten im Flug ist dabei eine gute Gewohnheit.

Typische Saisonstart-Fehler – und wie man sie vermeidet

Zu den häufigsten Fehlern beim Saisoneinstieg zählen zu hohe Anfluggeschwindigkeiten, instabile Anflüge, das Zögern oder Unterlassen eines notwendigen Go-Arounds sowie ein erhöhter Stresslevel durch fehlende Routine. Wer diese Muster kennt, kann gegensteuern.

Der Stabilized Approach – konstante Geschwindigkeit, stabile Sinkrate – sollte beim ersten Flug bewusst geübt werden. Und: Durchstarten ist eine professionelle Entscheidung. Sicherheit geht vor Ego.

Trainingsempfehlungen für den Saisoneinstieg

Wer nach der Winterpause wieder in Form kommen möchte, sollte mit Platzrunden beginnen. Das Stalltraining und der kontrollierte Langsamflug sind ebenfalls wertvolle Übungen, die das Gefühl für das Flugzeug wieder schärfen. Ein Auffrischungsflug mit einem Fluglehrer zum Saisonstart ist keine Schwäche – sondern eine kluge Entscheidung.

Die Saisonstart-Checkliste auf einen Blick

  • Eigene Dokumente prüfen (Lizenz, Medical, Currency)
  • Flugzeugdokumente und Zulassung prüfen (ARC, Versicherung)
  • Technischen Zustand gründlich kontrollieren (Batterie, Reifen, Bremsen, Kraftstoff, Motor, Avionik)
  • IMSAFE-Check durchführen
  • Wetter sorgfältig analysieren – einfache Bedingungen für den Einstieg wählen
  • Trainingsflug mit Fluglehrer einplanen
  • Bewusst starten, Routine schrittweise aufbauen

Ready for Takeoff?

Dann nichts wie raus – aber bitte mit Bedacht.

Basierend auf dem Vortrag „Saisonstart – Ready for Takeoff?“ des Bundesausschusses Flugsicherheit, Deutscher Aero Club e.V., Frühjahr 2026.