Erst Sturmböen, dann ein komplett umgebautes Programm – und am Ende ein Wettbewerb, der wie am Schnürchen lief. Beim „Controlline-Circus Condor 2026″ auf dem Gelände der Modellfluggemeinschaft Condor e.V. in Würselen kämpften am ersten Septemberwochenende die besten Fesselflieger gleichzeitig um den Landesmeistertitel NRW, die Deutsche Meisterschaft und Punkte für die internationale Rangliste. Ausrichter war der LSV Phoenix e.V.
Wenn der Wind den Zeitplan diktiert
Das Wochenende begann alles andere als verheißungsvoll. Schon die Anreise am Freitag stand unter heftigen Böen, an reguläre Starts oder das geplante Training war nicht zu denken. Gefragt war Flexibilität – und das Organisationsteam traf eine mutige Entscheidung: Das gesamte F2B-Programm mit allen drei Wertungsdurchgängen wanderte geschlossen auf den Sonntag.
Auch der Samstag verlangte den Piloten einiges ab, doch das Programm lief an. In der Klasse Basic Carrier Deck ließ sich ein Teil der Flüge absolvieren, beim Limes-Race gingen zwei Vorläufe erfolgreich über die Bühne. Der verbleibende Zeitplan war extrem straff. Dass er am Sonntag trotzdem aufging, lag an der Disziplin aller Beteiligten – und brachte den Wettbewerb zu einem fairen Ende.
Internationales Feld im Kunstflug
Das Hauptaugenmerk lag auf der anspruchsvollen Klasse F2B, dem Kunstflug am Stahlseil. Hier ging es um Titel auf gleich drei Ebenen.
In der internationalen Rangliste traten zwölf Piloten aus drei Nationen an. Platz 1: Frank Wadle (GER). Platz 2: Christoph Holtermann (GER). Platz 3: Dietmar Morbitzer.
Die Deutsche Meisterschaft mit neun Teilnehmern spiegelte dieses Ergebnis wider. Platz 1 und damit der Meistertitel: Frank Wadle. Platz 2 und Vizemeister: Christoph Holtermann. Platz 3: Dietmar Morbitzer.
Auf Landesebene traten vier Piloten an, und hier flog Christoph Holtermann ganz nach oben. Platz 1 und Landesmeister NRW: Christoph Holtermann. Platz 2: Michael Feger. Platz 3: Frank Kuckelkorn.
Ein Wermutstropfen blieb in den Nachwuchs- und Aufsteigerklassen, die diesmal jeweils nur einen einzigen Teilnehmer verzeichneten. Die Piloten zeigten dennoch vollen Einsatz: Katja Ritter überzeugte als Einzelstarterin bei den F2B-Beginnern, Martin Kühschelm zog sein Programm in der Klasse F2B-Fortgeschrittene sauber durch. Für die Zukunft hofft die Szene hier wieder auf wachsende Starterfelder.
Das Podium der Landesmeisterschaft NRW: Christoph Holtermann (Mitte) vor Michael Feger und Frank Kuckelkorn.
Vielfalt am Himmel: Carrier Deck und Limes-Race
Abseits des reinen Kunstflugs gab es auf dem Gelände in Würselen reichlich Abwechslung. Ein echter Publikumsmagnet war das Basic Carrier Deck, bei dem die Modelle auf einem simulierten Flugzeugträgerdeck aufsetzen müssen. Mit 16 Teilnehmern war die Klasse hervorragend besetzt – und lieferte nebenbei einen spannenden technischen Vergleich: Neun Piloten setzten auf flüsterleise Elektroantriebe, sieben hielten dem charakteristischen Sound der Verbrennungsmotoren die Treue. Zusätzliche Dynamik brachte das Limes-Race, bei dem sich vier Teams packende Rundenrennen lieferten.
Publikumsmagnet Basic Carrier Deck: Landung auf dem simulierten Trägerdeck.
Ein Dankeschön an die Gemeinschaft
Ein solches Event steht und fällt mit dem Einsatz im Hintergrund. Besonderer Dank gilt der gastgebenden Modellfluggemeinschaft Condor e.V. für das hervorragende Gelände sowie allen Helferinnen und Helfern, die für Organisation und Verpflegung sorgten. Ebenso den angereisten Piloten, die die wetterbedingten Programmänderungen sportlich mitgetragen haben.
Respekt gebührt auch dem Punktrichter-Team. Einer der drei Wertungsrichter nahm eine neunstündige Anfahrt auf sich – nur um sich am Samstag wegen des Windes geduldig die Beine in den Bauch zu stehen, bevor am Sonntag der gemeinsame Bewertungsmarathon folgte. Dieser Sportsgeist steht sinnbildlich für das gesamte Wochenende.
Trotz des schwierigen Auftakts erlebten Aktive und Zuschauer den Fesselflug von seiner besten Seite: hohe fliegerische Präzision, technische Vielfalt und eine großartige Kameradschaft auf dem Platz. Luftsport erleben. Gemeinschaft spüren.







