Der AEROCLUB | NRW hat einen neuen Vorsitzenden der Segelflugkommission: Ulrich Schulze folgt auf Thomas Kurz. Im Interview spricht er über seinen persönlichen Weg im Segelflug, seine Ziele im Verband und die zentrale Rolle der Vereine für die Zukunft des Segelflugs in Nordrhein-Westfalen.
Ulrich, wie kam es dazu, dass du neuer Vorsitzender der Segelflugkommission geworden bist?
Mein Vorgänger Thomas Kurz hatte mit einem Jahr Vorlauf angekündigt, dass er sich künftig anderen Themen widmen möchte. Zuvor hatte er das Amt bereits kommissarisch von Siggi Baumgartl übernommen und anschließend eine komplette Amtszeit weitergeführt.
Auch ich bin seit etwas über drei Jahren Mitglied der Segelflugkommission. Sehr gerne hätte ich den Vorsitz bei einem jüngeren Kollegen gesehen. Diese haben mich jedoch gebeten, meine Erfahrung und meine inzwischen etwas größere zeitliche Verfügbarkeit einzubringen.
Stell dich kurz vor: Wer bist du, und wo bist du im Luftsport zu Hause?
Ich bin 69 Jahre alt und fliege seit meinem 14. Lebensjahr im Aero-Club Grevenbroich, der nach einer Fusion mit den Neußer Turmseglern heute Aero Club Grevenbroich-Neuss heißt.
Über 4.000 Flugstunden habe ich überwiegend im Segelflug verbracht – im Streckenflug, als Fluglehrer und als Trainer für die NRW-Junioren. Diese Vielseitigkeit und die Entwicklung junger Pilotinnen und Piloten begeistern mich bis heute.
Welche Ziele hast du dir für deine neue Aufgabe gesetzt?
Ich wurde zum Vorsitzenden eines Teams gewählt – und genau das ist mir wichtig. Gemeinsam wollen wir uns ein klares Bild der aktuellen Aufgaben und Rahmenbedingungen machen und daraus Maßnahmen ableiten, um den Segelflug in NRW weiter nach vorne zu bringen. Erste Schritte haben wir hierzu bereits unternommen.
Eine Kernaufgabe der Segelflugkommission ist der gezielte Einsatz von Fördermitteln. Ziel ist es, insbesondere den Streckensegelflug in den Vereinen zu stärken und Juniorinnen und Junioren so zu fördern, dass sie sich bis hin zu Deutschen und möglicherweise auch internationalen Meisterschaften entwickeln können.
Diese Förderarbeit ist mit hohem organisatorischem Aufwand verbunden. Mit neuen Konzepten wollen wir die Abläufe ab 2027 weiter optimieren. Der Einsatz lohnt sich: Viele Geförderte bringen ihre Erfahrungen später als Fluglehrer, Trainer oder in Führungsfunktionen wieder in die Vereine ein. Auch die Fluglehrerausbildung ist Bestandteil unserer Förderung.
Darüber hinaus wirken zahlreiche weitere Themen auf den Segelflug in NRW ein – darunter Luftraum, Flugsicherheit, Ausbildung einschließlich Segelflugschule, Technik, Umwelt, Drohnen, Indexlisten und mehr. Viele dieser Bereiche liegen in unterschiedlichen Zuständigkeiten von NRW und DAeC. Das erfordert enge Abstimmung und intensive Kommunikation – auf die ich mich ausdrücklich freue.
Welche Rolle spielen die Vereine und ihre Mitglieder
in deiner Arbeit als Vorsitzender?
Ich bin selbst ein klassisches „Vereinsgewächs“. Meine Stationen reichen vom Jugendleiter über die Landesjugendleitung und den Ausbildungsleiter bis hin zum Vorsitzenden Segelflug und schließlich Präsident meines Vereins, der die Sparten Segel- und Modellflug umfasst.
Ich weiß, was es bedeutet, wenn Mitglieder weit über 20.000 Arbeitsstunden investieren, um auf ihrem eigenen Gelände fliegen zu können. Oder wenn Luftraumkorridore – etwa zwischen Düsseldorf und Köln – durch Flugplatzerweiterungen gefährdet sind.
Alles, was wir in der Segelflugkommission oder in Gremien, gegenüber externen Stellen und bei neuen Entwicklungen tun, wirkt sich letztlich direkt auf die Vereine aus. Dieses Bewusstsein prägt meine Arbeit.
Zum Schluss: Mit welchem Gefühl startest du in deine neue Aufgabe?
Im Dezember haben wir in Oerlinghausen 15 angehende Trainer theoretisch ausgebildet. Die meisten von ihnen habe ich schon viele Jahre zuvor als Junioren kennengelernt. Es ist sehr motivierend, diese persönliche und fachliche Entwicklung bis hin zur Übernahme von Verantwortung mitzuerleben.
Natürlich gibt es auch Herausforderungen und Bedrohungen für den Segelflug. Nicht immer wird es gelingen, alle davon abzuwenden. Aber man kann das Beste daraus machen und manchmal auch neue Wege beschreiten. Darauf freue ich mich – gemeinsam mit meinem Team.



