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Frauen-Freundschafts-Fliegen 2026: sieben Tage Thermik auf dem Übersberg

von AEROCLUB | NRW Redaktion | 11.09.26 | Frauen im Luftsport, Segelflug

Zwanzig Pilotinnen aus vier Kontinenten, sieben Tage Sonne und 7.871 Kilometer über der Schwäbischen Alb: Beim 3. Frauen-Freundschafts-Fliegen auf dem Segelfluggelände Übersberg bei Pfullingen stand im Juli eine Woche lang alles bereit, was Segelfliegerinnen brauchen – Flugzeuge, Startbetrieb und Zeit füreinander. Unter den Teilnehmerinnen waren auch Pilotinnen aus Nordrhein-Westfalen.

Aus einem WSPA-Seminar wurde eine eigene Tradition

Die Geschichte des Frauen-Freundschafts-Fliegens – kurz FFF – beginnt bei der Women Soaring Pilots Association (WSPA). Die internationale Vereinigung bringt Segelfliegerinnen aus aller Welt zusammen, von Australien bis Israel, von Italien bis Deutschland. Ihr Ziel ist klar umrissen: Frauen im Segelflug vernetzen, unterstützen und füreinander sichtbar machen. Denn die Luftfahrt ist bis heute stark männlich geprägt.

Nach den europäischen WSPA-Seminaren 2009 in Slowenien und 2014 in Italien war der Übersberg im Juli 2023 Gastgeber. Aus dieser Woche entstand der Wunsch, die Idee in eigener Regie fortzuführen. 2024 fand das erste Übersberger Frauen-Freundschafts-Fliegen statt – als europäisches Gegenstück zum großen WSPA-Treffen in Kansas. Was als einmaliges Treffen gedacht war, ging im Juli 2026 bereits in die dritte Auflage.

Das Logo des 3. Frauen-Freundschafts-Fliegens stammt von Ema Steck. Die Flugschülerin ist 16 Jahre alt.

Ein Verein richtet aus, vier stehen dahinter

Ausgerichtet wurde das Treffen von der Flugsportgruppe Heinkel. Sie ist einer von vier Vereinen, die auf dem Übersberg gemeinsam Flugbetrieb machen – neben dem Luftsportverein Reutlingen, der Akaflieg Tübingen und der FSG Pliezhausen. Gelände, Verwaltung und Koordination des Flugbetriebs liegen bei der Flugsportvereinigung Übersberg (FSVÜ).

Hinter dem FFF stand ein ganzes Team. Organisation und Kommunikation lagen bei Barbara Kaiser und Manu Steck, dazu kamen Fluglehrer, Flug- und Betriebsleiter, Schlepp- und Windenfahrer, die Jugendgruppe und viele freiwillige Helferinnen und Helfer aus den vier Vereinen.

Zwanzig Pilotinnen, vier Kontinente

Angemeldet hatten sich 20 Pilotinnen. Sie kamen aus Bayern, Hessen, Sachsen, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen – und von deutlich weiter her: aus China, Australien, Ungarn sowie aus Texas und Alaska. Berufspilotinnen waren ebenso dabei wie Hobbyfliegerinnen, langjährige Streckenfliegerinnen ebenso wie Frauen, die ihre alte Leidenschaft nach dem Berufsleben wiederentdeckt haben.

Zusammen mit den neun Pilotinnen der Übersberger Vereine, mit Helfern, Familien und Freunden kamen im Lauf der Woche rund 40 Menschen zusammen. Verschiedene Generationen, Berufe, Nationalitäten und Lebenswege – verbunden durch das Segelfliegen.

Die meisten Teilnehmerinnen reisten am Samstag an. Den Abend eröffnete das Gastgeberteam mit einem Begrüßungsgrillen.

21 Flugzeuge – und für jede ein Platz in der Luft

Der Sonntag begann mit Frühstück und Briefing. Uwe Kaiser, Vorstand der Flugsportgruppe Heinkel, stellte Gelände, örtliche Besonderheiten und Regeln vor, Ines Schäffer und Jutta Scholz übernahmen das Wetterbriefing. Danach wurde gemeinsam aufgerüstet.

15 eigene Segelflugzeuge standen auf dem Platz, darunter DG-100, Libelle, Discus, LS3, LS4, LS8, SIE 3, ASW 27, DG-800 und Kestrel 401. Für alle ohne eigenes Flugzeug stellten die Gastgeber zwei ASK 21, zwei Duo Discus XLT und einen Arcus T bereit; für die Starts standen Winde und Schleppmaschinen zur Verfügung.

Das Wetter spielte fast jeden Tag mit. Statt Platzrunden über dem Übersberg waren ausgedehnte Streckenflüge über die Schwäbische Alb möglich. Am Ende der Woche standen 171 Starts, rund 267 Flugstunden und 7.871 Kilometer in den Büchern. Die Alb ist auch bei Vereinen aus Nordrhein-Westfalen ein beliebtes Ziel – der VfS Krefeld verbrachte dort im Juli zwei Wochen im Sommerfluglager.

Aufgerüstet und startbereit: Fast jeden Tag sorgte gute Thermik für Streckenflugwetter.

Daniela Helbig reiste aus Australien an und flog auf dem Übersberg die LS3.

Sportlich zurück an den Start: Beim Duo Discus packten alle mit an.

Ein Ballon, ein Besuch – und abends die Küche

Am Dienstag kam ein besonderer Gast an den Himmel über dem Übersberg: der Heißluftballon „Wilhelmine“ des Baden-Württembergischen Luftfahrtverbands (BWLV). Daniela Helbig, Christina Kaiser und Manu Steck durften mitfahren. Ob Segelflugzeug, Gleitschirm oder Ballon – die Wege nach oben sind verschieden, die Faszination bleibt dieselbe.

Am Freitag stellte sich Gudrun Bühler beim Briefing persönlich vor. Die Präsidialrätin für Südwürttemberg/Hohenzollern im BWLV zeigte sich von der Veranstaltung begeistert und will sich künftig stärker in die Verbandsarbeit einbringen.

Das FFF spielte sich ohnehin nicht nur in der Luft ab. Jeden Abend wartete ein gemeinsames Essen, jeden Morgen ein gedeckter Frühstückstisch – die Backwaren spendete Bäcker Bayer aus Mittelstadt Tag für Tag. Ob beim Auf- und Abrüsten, im Startbetrieb, beim Rückholen, in der Küche oder bei der Betreuung von Kindern und Hunden: Jede und jeder packte mit an. Genau dieses Miteinander machte die Woche aus.

Eine unvergessliche Fahrt am Abend: der BWLV-Ballon „Wilhelmine“ über dem Übersberg.

Barbara Kaiser, Gabriella Kade, Manu Steck und Nadja Hohenstein (von links) bereiten frische Forellen vor.

Mari und Ema Steck mit dem Fliegerinnennachwuchs Kira – Vater Daniel ist auch dabei.

Der Termin für 2027 steht schon

Nach sieben Tagen war die gemeinsame Zeit vorbei, für viele zu schnell. „Bis nächstes Jahr auf dem Übersberg“ war beim Abschied einer der häufigsten Sätze – und der Termin dafür steht bereits: Das 4. Frauen-Freundschafts-Fliegen ist für den 10. bis 17. Juli 2027 geplant.

Wer aus Nordrhein-Westfalen mitfliegen möchte, findet Ausschreibung und Anmeldung rechtzeitig im Aktuelles-Bereich des Übersbergs. Mitgebracht werden darf das eigene Flugzeug – nötig ist es nicht.

Gelegenheiten gibt es auch näher an der Heimat. Das Hexentreffen der Luftsportlerinnen kam zu seiner 50. Auflage nach Siegen, und der AEROCLUB | NRW lädt regelmäßig zu Workshops für Pilotinnen ein – zuletzt nach Oerlinghausen. Gebündelt stehen die Angebote unter Frauen im Luftsport; wer zuerst einen Verein in der Nähe sucht, wird in der Vereinssuche fündig.

Silke Neugebauer (links) überreicht Blumen an die Organisatorinnen Manu Steck und Barbara Kaiser.

Sieben Tage Übersberg zeigen, was den Segelflug trägt: die Thermik über dem Platz und die Gemeinschaft darauf.

Nach einem Bericht von Zhenjun Dong und Gabriele Siemoneit

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